Juli
2009: Ein »Urgestein« verlässt nach 36 Jahren die
Leutesheimer Grundschule: »Adieu Madame le Professeur« sangen
die Schüler am Mittwoch bei der Abschiedsfeier von Lehrerin Margot
Wohlbold-Melet. Insgesamt war sie 43 Jahre lang im Schuldienst.
Als
geschätzte Person mit starkem Charakter bezeichnete Schulleiter Rolf
Geisinger seine scheidende Kollegin. Ihr Beruf habe der Lehrerin immer
Spaß gemacht. »In all den Jahren haben wir nie Klagen von ihr
gehört«, versicherte Rolf Geisinger. Margot Wohlbold-Melet wollte
nie Mittelmaß sein und die Kinder mögen »ihre Frau Melet«,
auch wenn sie manchmal ein bisschen streng war, hieß es bei der Verabschiedung.
Die Schüler trampelten zum Beweis mit den Füßen. »Ruhe
im Karton«, rief da die Lehrerin und wiederholte damit einen ihrer
legendären Aussprüche, der auch Thema eines lustiges Sketches
der Schüler war.
»Laissez
faire« war offensichtlich nicht ihr Stil. »Früher flog
so manches Kreidestück durchs Klassenzimmer, wenn die Kleinen mal
zu laut waren«, berichtete schmunzelnd Stefan Braunstein, Chef der
Elternvertretung, bei seinen Dankesworten. Doch sie hat auch mit viel Liebe
und Herz die ihr Anvertrauten begleitet, wie Ortsvorsteher Ernst Kleinmann
lobte. Er sprach dafür Dank aus, auch im Namen der Bürger von
Leutesheim, Bodersweier und Zierolshofen.
Im jetzt
bevorstehenden Ruhestand stehe sie nicht mehr unter dem Diktat des Stundenplans,
hieß es bei der Abschiedsfeier. Aber: »Margot Wohlbold-Melet
fällt nicht in ein Loch der Untätigkeit«, wusste Rolf Geisinger.
Die Lokalpolitik und ihr soziales Engagement werden sie auf Trab halten,
sagte der Schulleiter. Und auch Ernst Kleinmann zeigte sich davon überzeugt
und erklärte: »Im Ehrenamt engagierte Leute wie dich brauchen
wir.«
Margot
Wohlbol-Melet zeigte sich gerührt von den Dankesworten und Aufführungen.
In 36 Jahren habe sich an der Grundschule in Leutesheim vieles zum Positiven
verändert. »Als ich 1973 kam, war das Betreten des Schulrasens
strengstens verboten und an Klassenfeiern war damals höchstens in
den eigenen vier Wänden zu denken«, erinnerte sich die Lehrerin.
zur
Person, Margot Wohlbold-Melet:
Ihre
erste Stelle trat sie in der Hebelschule an
Margot
Wohlbold-Melet wurde am 3. Februar 1945 in Tübingen geboren, die Eltern
stammen aus Heidelberg. Seit 1952 wohnt sie in Kehl, ging dort in die Wilhelmgrundschule
und machte in Kehl 1964 auch das Abitur. Es folgten vier Semester Lehramtstudium
in Karlsruhe. Ihr erste Stelle trat Margot Wohlbold-Melet 1966 an der Hebelschule
in Kehl an. Sieben Jahre war sie dort. 1973 wechselte sie dann zur Grundschule
nach Leutesheim.
1979 trat Margot Wohlbold-Melet in die SPD ein, seit 1985 ist sie Mitglied im Ortschaftsrat Leutesheim und seit 1990 im Gemeinderat der Stadt Kehl. Die Leutesheimer Pädagogin ist stellvertretende Vorsitzende der Kehler SPD und auch stellvertretende Fraktionssprecherin. Beim Tagesmütterverein Kehl ist sie Gründungsmitglied und seit dem Jahr 2004 auch dessen Erste Vorsitzende.
Margot
Wohlbold-Melet hat aus der Ehe mit einem Franzosen zwei erwachsene Kinder:
Tochter Laurence wohnt in Leutesheim, Sohn Serge in München. Seit
über 30 Jahren lebt die Lehrerin mit ihrem Partner Ralf Liedtke in
Leutesheim zusammen. Zu dem Haushalt gehören auch der Husky Buran
und das Dobermann-Mädchen Hera. Margot Wohlbold-Melet ist eine richtige
Leseratte und will ihrer Leidenschaft im beruflichen Ruhestand am liebsten
noch mehr Zeit widmen. »Zunächst soll aber mein etwas vernachlässigter
Garten wieder auf Vordermann gebracht werden«, berichtete sie selbst.
Weitere Ziele für die Zeit nach über 43 Jahren Schuldienst: Reisen,
Freiheit genießen und »uralt werden«.